Eine gewerbliche Reinigungsfirma kalkuliert nicht aus 100 m² allein. Für eine belastbare Kostenorientierung braucht sie mindestens Objektart, Raumstruktur, Leistungsumfang, Turnus, Nutzung und Zugang. Der öffentliche Jonas-Kostenrechner arbeitet aktuell mit einem transparenten Netto-Korridor von 36 bis 45 Euro je kalkulierter Arbeitsstunde und verbindet ihn mit der objektspezifisch abgeleiteten Personenzeit. Das ist eine Orientierung – kein Pauschalpreis für jedes 100-m²-Objekt.
Die Kostenlinse: Aus Fläche wird erst schrittweise ein Preis
Wer sofort nach einem Betrag für 100 m² fragt, überspringt die entscheidenden Zwischenschritte. Eine nachvollziehbare Kalkulation schärft das Bild Ebene für Ebene.
Die fünf Ebenen
Erst auf Ebene fünf werden Stunden-, Flächen-, Einsatz- oder Monatspreise vergleichbar. Wer dort beginnt, erhält eine scheinbar klare Zahl – aber kein belastbares Angebot.
Was verlangt eine Reinigungsfirma pro Stunde?
Der aktuelle öffentliche Jonas-Kostenrechner für gewerbliche Reinigung verwendet für seine Modellorientierung 36 bis 45 Euro netto je kalkulierter Arbeitsstunde und setzt je Einsatz mindestens 0,25 kalkulierte Arbeitsstunden an. Dieser Korridor ist weder ein amtlicher Deutschland-Durchschnitt noch eine Zusage für einen Auftrag. Er ist die offengelegte Preisbasis des Jonas-Modells und wird mit Objekt- und Zeitdaten kombiniert.
Je nach Auftrag können weitere Positionen entstehen, etwa besondere Maschinen, Spezialmaterial, erschwerte Zugänge, Parkkosten, umfangreiche Dokumentation oder Fremdleistungen. Ein gut planbares Dauerobjekt kann deshalb anders kalkuliert werden als ein kurzfristiger Einzelauftrag.
Das Statistische Bundesamt meldet für Reinigungsleistungen 2025 im Jahresdurchschnitt 4,9 Prozent höhere Erzeugerpreise als 2024. Dieser amtliche Marktindex beschreibt die Entwicklung auf Branchenebene; er ist kein automatischer Aufschlag auf ein einzelnes Angebot.
Warum dieser Betrag nicht bei der Reinigungskraft ankommt
- Urlaub, Krankheit, Feiertage und Vertretung
- Sozialabgaben und weitere lohngebundene Kosten
- Wege, Schlüssel, Rüsten und Materialversorgung
- Objektleitung, Qualitätskontrolle und Reklamationsbearbeitung
- Fahrzeuge, Geräte, Reparatur, Lager und Versicherung
- Verwaltung, Buchhaltung, Arbeitsschutz, Risiko und wirtschaftliches Ergebnis

Was kostet es, 100 m² gewerblich reinigen zu lassen?
100 m² können ein offenes Büro, eine kleinteilige Praxis oder ein Objekt mit hohem Sanitäranteil sein. Eine ehrliche Antwort führt deshalb zuerst über die Zeit. Die Herleitung und Grenzen der verwendeten Korridore dokumentiert Jonas in der Ressource zur Reinigungsleistung in m² pro Stunde.
Rüst-, Wege-, Zugangs-, Objektführungs- und andere Nebenzeiten werden ergänzt, wenn sie nicht bereits im Modell enthalten sind. Die folgenden Beispiele zeigen ausschließlich die reine produktive Flächenzeit – vor solchen Nebenzeiten und Zusatzpositionen.
Szenario A
Offenes Büro
Modellkorridor: 200–350 m² je produktiver Personenstunde.
100 ÷ 200 = 0,50 h
ca. 10–23 € netto
Nur reine rechnerische Flächenzeit.
Szenario B
Praxisbereich
Modellkorridor: 130–220 m²/h; ohne OP, Reinraum und Sonderdesinfektion.
100 ÷ 130 = 0,77 h
ca. 16–35 € netto
Nur reine rechnerische Flächenzeit.
Szenario C
Gemischtes Objekt
Die breite Modellhülle von 90–350 m²/h ist für ein Angebot zu ungenau.
kein seriöser Pauschalwert
Die Unsicherheit darf nicht in einer Zahl verschwinden.
Warum kleine Objekte nicht proportional billig sind
Ein kurzer Flächenwert bildet den gesamten Einsatz nicht ab. An- und Abfahrt, Parken, Schlüssel- oder Alarmabläufe, Materialbereitstellung, Wasser- und Entsorgungswege sowie eine kurze Qualitätskontrolle bleiben auch bei 100 m² bestehen. Ein Betrieb kann daher eine Mindesteinsatzzeit oder einen Mindestauftragswert kalkulieren. Ob und in welcher Höhe, muss im konkreten Angebot stehen; dieser Beitrag erfindet dafür keine Jonas-Pauschale.
Vier Abrechnungsarten – vier unterschiedliche Nenner
Acht Faktoren verschieben die Kostenlinse

So vergleichen Sie zwei Angebote wirklich
Prüfen Sie nicht nur die Endsumme. Legen Sie dieselben Flächen und Raumgruppen, Tätigkeiten, Ergebnisdefinitionen, Intervalle und periodischen Aufgaben nebeneinander. Zusätzlich müssen Steuerbasis, Material, Maschinen, Verbrauchsmittel, Anfahrt, Mindestzeit, Zeitfenster, Vertretung, Feiertagslogik, Qualitätskontrolle, Laufzeit und Preisänderungsmechanismus vergleichbar sein.
Ein Leistungsverzeichnis und Reinigungsplan macht diese Punkte prüfbar. Ohne gemeinsame Leistungsbasis kann das günstigste Angebot schlicht weniger enthalten.
Was darf Gebäudereinigung kosten?
Sie darf so viel kosten, wie für das vereinbarte Ergebnis unter realistischen Zeit-, Qualitäts- und Betriebsbedingungen nötig ist und wie Auftraggeber und Anbieter transparent vereinbaren. Eine faire Prüfung fragt daher: Ist die geplante Zeit plausibel? Fehlen Positionen, die später als Nachtrag kommen? Kann der Betrieb Vertretung, Arbeitsschutz und Qualität leisten? Ist die Kalkulation über die Vertragsdauer tragfähig?
Ungewöhnlich niedrige Preise sind nicht automatisch rechtswidrig oder schlecht. Sie verlangen aber eine besonders klare Leistungs- und Plausibilitätsprüfung.
Vom Modell zum Objekt
100 m² werden erst durch den Auftrag kalkulierbar
Für ein konkretes B2B-Objekt werden Raumgruppen, Umfang, Turnus, Personenzeit und Nebenpositionen zusammengeführt. So wird aus der Modellorientierung eine prüfbare Angebotsgrundlage.
Quellenstand: 22. August 2026. Die Modellwerte ersetzen kein objektspezifisches Angebot.




