Reinigungsanfrage

Reinigungsroboter im Praxistest

Reinigungsroboter testen: Messen Sie den ganzen Einsatz

Autonome Laufzeit ist noch keine Arbeitszeitersparnis. Ein guter Pilot erfasst Vorbereitung, Eingriffe, Nacharbeit und das Reinigungsergebnis auf derselben Fläche.

01 / Testziel

Der Pilot muss eine konkrete Betriebsfrage beantworten

Ein Reinigungsroboter sollte im Pilotbetrieb daran gemessen werden, ob er einen klar benannten Teil der vereinbarten Reinigung zuverlässig übernimmt. Eine lange autonome Fahrzeit oder eine große Zahl auf dem Display genügt dafür nicht. Der entscheidende Vergleich lautet: Wie viel betreute Arbeitszeit erfordert das vollständige Ergebnis vor und nach dem Einsatz, unter vergleichbaren Bedingungen?

Zuerst wird deshalb die Entscheidung formuliert. Etwa: „Kann diese Maschine den freigegebenen Hartboden im Erdgeschoss innerhalb des Zeitfensters reinigen, während das Team andere vereinbarte Aufgaben erledigt?“ Das ist prüfbarer als die Frage, ob Robotik grundsätzlich modern oder wirtschaftlich sei.

Der Pilot ist zugleich ein Arbeitsmitteleinsatz. Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt eine Beurteilung der Gefährdungen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln. Ein Testetikett hebt diese Anforderungen nicht auf. Herstellerangaben, betriebliche Voraussetzungen und sichere Organisation gehören vor den ersten produktiven Lauf. Dieser Beitrag beschreibt ein eigenes Messverfahren und ersetzt keine objektspezifische Gefährdungsbeurteilung.

Dass nicht nur die technische Funktion zählt, zeigt auch das IFA-Forschungsprojekt rokit zur Mensch-Roboter-Interaktion. Dort werden Nutzungskontext, funktionale Sicherheit und menschliche Interaktion zusammen betrachtet. Daraus folgt keine Freigabe einer bestimmten Maschine für Ihr Gebäude. Es unterstreicht aber, warum ein Pilot den tatsächlichen Arbeitsablauf abbilden sollte.

02 / Vergleichsfläche

Gleiche Fläche, gleiche Aufgabe, vergleichbare Ausgangslage

Eine belastbare Ausgangsmessung beginnt bei der Fläche, die der Roboter wirklich bearbeiten darf und kann. Die Gesamtfläche des Gebäudes ist dafür ungeeignet. Räume hinter nicht passierbaren Türen, Treppen, freizuhaltende Bereiche oder nicht geeignete Beläge müssen getrennt betrachtet werden. Auch Ränder und Engstellen können weiterhin manuelle Arbeit erfordern.

Dokumentieren Sie die freigegebene Pilotfläche mit Raum- oder Zonenkennung. Danach legen Sie fest, was „fertig“ bedeutet: welche Verschmutzungen entfernt werden sollen, welche Randarbeiten dazugehören und wann die Fläche wieder nutzbar sein muss. Eine Maschine kann nach ihrer eigenen Logik eine Route abschließen, obwohl der vertragliche Reinigungsauftrag noch nicht erfüllt ist.

Die bisherige Methode wird für denselben Umfang gemessen. Dabei gehören auch bisherige Vorbereitung, Wasserwechsel und Maschinenpflege in die Betrachtung. Nur den manuellen Reinigungsgang mit dem gesamten Robotereinsatz zu vergleichen wäre genauso verzerrt wie der umgekehrte Fehler.

Die Ausgangslage sollte schriftlich festgehalten werden: Nutzung, typische Verschmutzung, Möblierung, Laufverkehr und besondere Ereignisse. Nach einer Veranstaltung kann derselbe Flur mehr Arbeit verursachen als an einem ruhigen Tag. Solche Unterschiede werden markiert, statt unbemerkt in einer Durchschnittszahl zu verschwinden.

Ein Pilot sollte mehrere repräsentative Einsätze umfassen. Eine universelle Mindestzahl gibt es für diese redaktionelle Arbeitshilfe nicht. Entscheidend ist, ob normale Schwankungen und typische Störungen vorkommen. Ein ausschließlich leergeräumter Vorführtermin zeigt einen technisch günstigen Fall, aber noch nicht die Zuverlässigkeit im normalen Betrieb.

03 / Messplan

Menschenzeit und Maschinenzeit getrennt erfassen

Führen Sie zwei Uhren. Die erste misst die Bindung von Beschäftigten, die zweite den zeitlichen Ablauf der Maschine. Wenn ein Roboter 90 Minuten arbeitet, während eine Person 60 Minuten andere Aufgaben ausführt, sind nicht automatisch 90 Minuten Personalzeit eingespart. Vorbereitung, Eingriffe und Nacharbeit müssen noch berücksichtigt werden.

Für jeden Lauf empfehlen wir diese Angaben:

  • Datum, Zone, Nutzungszustand und geplantes Zeitfenster.
  • Vorbereitung durch Personen: Freiräumen, Befüllen, Startprüfung und Einrichtung.
  • Maschinenlauf: Beginn, Ende, Unterbrechungen und fertig bearbeiteter Umfang.
  • Personenbezogene Eingriffe als Arbeitsminuten, einschließlich aller gleichzeitig Beteiligten.
  • Manuelle Rest- und Nacharbeit für das vereinbarte Ergebnis.
  • Abschluss: Entleeren, Reinigen, Abstellen und dokumentierte Abweichungen.
  • Qualitätsprüfung mit demselben Maßstab wie bei der Ausgangsmessung.

Personenminuten sind dabei nicht immer identisch mit der Dauer einer Unterbrechung. Wenn zwei Personen zehn Minuten helfen, entstehen zwanzig Personenminuten. Wartet die Maschine zwanzig Minuten ohne Betreuung, betrifft das vor allem die Termintreue. Beide Vorgänge sind relevant, aber sie dürfen nicht in derselben Kennzahl verschwinden.

Eingriffe sollten einen Grund erhalten: Hindernis, Orientierungsproblem, Versorgung, Bedienfehler oder anderer konkret beschriebener Anlass. „Störung“ als Sammelbegriff verhindert später die Entscheidung, ob das Problem durch Einweisung, Anpassung des Umfelds oder eine andere Maschine gelöst werden kann.

Die TRBS 1116 behandelt Qualifikation und Unterweisung für die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln. Für den Pilot bedeutet das organisatorisch: Auch Vertretungen müssen wissen, welche Eingriffe sie durchführen dürfen und wann sie Unterstützung holen. Improvisierte Eingriffe sind kein geeignetes Mittel, eine gute Laufstatistik zu erreichen.

04 / Auswertung

Ein fiktives Beispiel vollständig nachrechnen

Angenommen, die bisherige Reinigung der Pilotzone bindet pro Einsatz insgesamt 120 Personenminuten. Im Roboterversuch fallen 15 Minuten Vorbereitung, 12 Minuten Eingriffe, 25 Minuten manuelle Restarbeit und 10 Minuten Abschluss an. Zusammen sind das 62 Personenminuten. Die rechnerisch frei werdende Zeit beträgt 120 minus 62, also 58 Personenminuten je vergleichbarem Einsatz.

Diese Werte sind ausschließlich ein Rechenbeispiel, keine Produktleistung und kein Marktversprechen. Für die Aussage ist vorausgesetzt, dass Fläche, Reinigungsumfang und Ergebnis tatsächlich gleichwertig sind. Falls die Qualitätsprüfung schlechter ausfällt, müssen zusätzliche Arbeit oder ein ungeeignetes Verfahren berücksichtigt werden.

Läuft der Roboter insgesamt 100 Minuten, beträgt die Personenbindung trotzdem 62 Minuten, sofern die Zeiten korrekt erfasst und keine Tätigkeiten doppelt gezählt wurden. Der gesamte Ablauf kann wegen Vor- und Nachbereitung länger als die reine Laufzeit dauern. Deshalb wird separat geprüft, ob der vereinbarte Fertigstellungstermin eingehalten wurde.

Bei 20 vergleichbaren Einsätzen wären 20 mal 58 gleich 1.160 Personenminuten, also 19 Stunden und 20 Minuten. Das ist zunächst ein rechnerisches Zeitpotenzial. Ob daraus eine wirtschaftliche Entlastung entsteht, hängt davon ab, ob diese Zeit sinnvoll für andere Arbeiten eingesetzt oder im Einsatzplan tatsächlich anders organisiert werden kann.

Ein Durchschnitt allein ist zu schwach. Notieren Sie zusätzlich, an wie vielen Tagen der Lauf ohne ungeplanten Eingriff abgeschlossen wurde, wann das Zeitfenster überschritten wurde und welche Qualitätsabweichungen auftraten. Ein guter Mittelwert kann einen wiederkehrenden Ausfall an den besonders wichtigen Tagen verdecken.

05 / Entscheidung

Vorher festlegen, wann der Test bestanden ist

Die Entscheidungskriterien gehören vor den Test. Sonst besteht die Gefahr, nachträglich genau die Kennzahl auszuwählen, auf der die Maschine gut aussieht. Geeignete Kriterien sind ein bestätigtes Reinigungsergebnis, die Einhaltung des Zeitfensters, beherrschbare Personenbindung und eine sicher organisierte Nutzung.

Formulieren Sie Zielwerte objektspezifisch. Beispielsweise: „Alle freigegebenen Zonen müssen vor Öffnung nutzbar sein; kritische Qualitätsmängel verhindern die Freigabe; Eingriffe werden mit Grund und Zeit dokumentiert.“ Das ist eine eigene betriebliche Vereinbarung, kein allgemeiner Branchenstandard.

Für Abweichungen werden drei Entscheidungen vorbereitet: nachbessern und erneut testen, Einsatz auf geeignete Zonen begrenzen oder den Pilot beenden. Ein teilweise geeigneter Roboter muss nicht im ganzen Gebäude eingesetzt werden. Umgekehrt rechtfertigt eine erfolgreiche Zone keine automatische Übertragung auf andere Beläge, Nutzungen oder Geschosse.

Der Abschlussbericht sollte die Ausgangsmessung, die Zahl der ausgewerteten Einsätze, alle Ausschlüsse und die verbleibenden manuellen Aufgaben enthalten. Er nennt auch, welche Bedingungen dauerhaft hergestellt werden müssen. Wenn für jeden Lauf umfangreiches Freiräumen nötig ist, gehört dieser Aufwand in die Regelorganisation.

Die Kosten des Reinigungsroboters einschließlich Betreuung und Nacharbeit werden anschließend separat betrachtet. Ein bestandener Leistungstest ist noch keine Kaufentscheidung. Vor einem regulären Einsatz bleibt außerdem die Prüfung der Reinigungsmaschine vor dem Einsatz relevant.

06 / Fragen

Häufige Fragen zum Pilotbetrieb

Reicht die Quadratmeterzahl aus dem Display?

Sie kann eine ergänzende technische Angabe sein. Entscheidend ist, welche freigegebene Fläche mit welchem Ergebnis bearbeitet wurde. Doppelte Fahrten, ausgelassene Bereiche und notwendige Nacharbeit müssen erkennbar bleiben.

Darf eine Vorführung als Wirtschaftlichkeitsbeleg gelten?

Eine Vorführung zeigt Möglichkeiten unter den jeweiligen Bedingungen. Für die Entscheidung im eigenen Objekt braucht es einen repräsentativen Vergleich einschließlich Betreuung und Abschlussarbeiten.

Sollte das Team während des Tests ständig danebenstehen?

Die notwendige Aufsicht richtet sich nach Maschine, Einsatz und Sicherheitsorganisation. Eine pauschale Antwort wäre unzulässig. Tatsächlich gebundene Aufsichtszeit gehört vollständig in die Messung.

Was tun, wenn die Qualität stimmt, aber wenig Zeit frei wird?

Dann kann ein anderer Nutzen bestehen, etwa eine verlässlichere Bearbeitung einer geeigneten Fläche. Dieser Nutzen sollte konkret beschrieben werden. Eine nicht gemessene Personalkostenersparnis darf daraus nicht gemacht werden.

Quellen

  1. DGUV/IFA: Sicherheit mobiler Roboter, Projekt IFA5168 Primärquelle
  2. Betriebssicherheitsverordnung § 3 Primärquelle
  3. BAuA: TRBS 1116, Qualifikation und Unterweisung Primärquelle

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Über den Autor

Julius Harpstedt

Julius Harpstedt ist Geschäftsführer bei Jonas Gebäudereinigung und Autor im Jonas Magazin.

Unternehmen und Arbeitsweise · Angaben zur Geschäftsführung

Fachliche Einordnungen zu Gebäudereinigung, Hygiene, Objektqualität und Arbeitsorganisation.

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